Bei diesem Treffen wurde das endgültige Format der Trainingsmodule festgelegt sowie die letzten Schritte zur Fertigstellung der Über-setzungen und Anpassung an den jeweiligen Landeskontext. Struktur und Layout der online Trainingsmodule und des mobilen Assistenten wurden diskutiert und der Zeitrahmen für die Testphase der Materialien festgelegt.

Ein junger Mann aus Afghanistan fährt Fahrrad. Er ist auf dem Weg zur Moschee zum Freitagsgebet. Er fährt auf einem Radweg neben einer dreispurigen Hauptstraße entgegen der Fahrtrichtung. Aus einiger Entfernung nähert sich langsam ein Polizeifahrzeug. Der junge Mann beschleunigt, kann ein Zusammentreffen mit der Polizei jedoch nicht vermeiden. Der Streifenwagen hält an und er wird zurückgerufen.

Zwei Polizeibeamte – ein Mann und eine Frau – steigen aus dem Fahrzeug.  Die Frau ist die handelnde Beamtin. Sie fragt den jungen Mann ob er nicht bemerkt hätte, dass er auf der falschen Seite gefahren sei.  Die Fahrzeuge kommen ihm entgegen – er hätte die Gegenseite benutzen sollen. Der junge Mann schaut sie kurz an, geht zu seinem Rad, murmelt etwas und schickt sich an weiterzufahren. Die Polizeibeamtin fordert ihn auf stehenzubleiben und wiederholt, dass er auf der falschen Seite gefahren sei. Diesmal wendet sich der junge Mann an ihren Kollegen und sagt, dass er auf einem Radweg gefahren sei und nicht verstehe was das Problem sei. Er müsse gehen weil er sonst zu spät zum Freitagsgebet komme. Der männliche Polizeibeamte tritt einen Schritt vor, sagt aber nichts. Die Beamtin erklärt, dass das Fahren entgegen der Fahrtrichtung nicht gestattet ist weil es gefährlich sein kann. Das zieht ein Verwarngeld von 30 Euro nach sich. Sie bittet ihn auch um seine Papiere.  Der junge Mann wendet sich wieder an den männlichen Beamten und händig ihm zögerlich seine Papiere aus. Die Beamtin fragt ihn, ob er das Verwarngeld vor Ort bezahlen oder lieber die Rechnung per Post abwarten möchte. Der junge Mann, der in die Ferne schaut, entscheidet sich gleich zu zahlen. Die Beamtin bemüht sich, nicht zu zeigen wie frustriert sie ist, stellt die Quittung für das Verwarngeld aus und händigt sie dem jungen Mann aus, der sie entgegen nimmt und bezahlt, ohne die Polizistin ein einziges Mal anzusehen.

 Was glauben Sie warum der junge Mann so gehandelt hat? Bitte lesen Sie die möglichen Antworten und wählen die plausibelste aus. Für die Situation kann mehr als eine Antwort von Bedeutung sein.

An einem Abend kam es zu tumultartigen Zuständen in einem Flüchtlingszentrum in einem deutschsprachigen Land. Eine Gruppe von 20 nordafrikanischen Geflüchteten war sehr aufgeregt und emotional. Die lautstarke Unterhaltung der Gruppe konnte man im gesamten Zentrum hören. Der junge Sozialarbeiter der Dienst hatte wunderte sich über den plötzlichen Lärm und ging nachschauen was los war. Mehrere Geflüchtete erklärten ihm aufgeregt, dass einer ihrer Freunde die offizielle Mitteilung erhalten habe, dass er in sein Heimatland zurückgeschickt werde und dass sie darüber sehr verärgert seien. Dem diensthabenden Sozialarbeiter gelang es nicht, die Gruppe zu beruhigen.  Je mehr er versuchte der gesamten Gruppe die Lage zu erklären, desto aufgeregter wurden die Geflüchteten. Der Sozialarbeiter hatte die Lage nicht länger unter Kotrolle. Er hatte den Eindruck, er könne aufgrund der Verwirrung im Raum zu niemandem mehr durchdringen. Er ruft schließlich die Polizei.

Was glauben Sie warum der Sozialarbeiter die Lage nicht unter Kontrolle hatte? Bitte lesen Sie die möglichen Antworten und wählen die plausibelste aus. Für die Situation kann mehr als eine Antwort von Bedeutung sein.

Eines Morgens betritt ein junger Mann aus dem Nahen Osten eine Ausländerberatungsstelle, wo er seine persönlichen Ziele festlegen und seine Kompetenzen feststellen lassen möchte. Er möchte sehr gern an einem Sprach- und Berufsausbildungsprogramm  teilnehmen. Er spricht nicht das erste Mal mit seinem Berater, aber hat es mit seinen Zielen noch nie so ernst gemeint wie jetzt. Er klopft an, betritt den Raum und begrüßt den Berater. Dieser grüßt zurück und bittet ihn Platz zu nehmen. Der junge Mann setzt sich, aber anstatt zu warten dass der Berater zur Sache kommt, fragt der junge Mann ihn wie es ihm geht und wie sein Urlaub war. Er hatte eine Woche zuvor bemerkt dass der Berater verreist war, weil er im Vorbeigehen einen Hinweis an dessen Tür gesehen hatte. Der Berater ist etwas verwundert als er über seinen Urlaub befragt wird. Er antwortet jedoch und sagt er habe einen schönen Urlaub gehabt. Dadurch ermutigt stellt der junge Mann weitere Fragen und möchte wissen, wohin er denn gereist sei, ob er alleine oder mit der Familie unterwegs war und wie alt seine Kinder seien. Die Verwunderung des Beraters schlägt in Unsicherheit um.  Er hat den Eindruck dass der junge Mann ihn über sein Privatleben ausfragt und weiß nicht wie er  dem ein Ende machen soll.

Warum stellt der junge Mann Ihrer Meinung nach so viele Fragen? Lesen Sie die Antwortmöglichkeiten und wählen Sie die plausibelste. Für die Situation kann mehr als eine Antwort von Bedeutung sein.

Interkulturelle Informationen zur Fallstudie “Das Fahrrad”

In muslimisch geprägten Gesellschaften hat ein Mann zumeist einen höheren Rang als eine Frau. Das erklärt sich daraus, dass der Koran (Sure 4, 34) dem Mann mehr Stärke zuschreibt sowie die Fähigkeit, Frauen wirtschaftlich versorgen zu können. Daraus ergibt sich die Konsequenz, dass die Überlegenheit des Mannes von göttlicher Bestimmung ist.

Das bedeutet, dass die in Frage 1 aufgeführten Gründe kaum als Motive für das Verhalten des jungen Mannes in Frage kommen. Sein Verhalten beruht vielmehr auf dem genannten religiösen Glauben, was die Akzeptanz der Autorität einer Frau für ihn schwierig macht. Seiner Auffassung nach „muss“ der männliche Kollege im Rang höher stehen.

Zum Selbstverständnis muslimischer Kulturen gehört es, die Ehre von Männern und Frauen unter allen Umständen zu bewahren. Eine ehrenhafte Frau hat sich keusch zu verhalten (Sure 24,31), um den Mann nicht (sexuell) zu erregen . Nach muslimischem Verständnis gefährdet eine  Frau, die zu offen mit einem Fremden spricht, sowohl ihre eigene Ehre als auch die ihres Ehemannes und untergräbt dessen Ruf.

Das bedeutet in der Fallstudie „Fahrrad“, dass die Frage des Geschlechts in Frage 3 mit hoher Wahrscheinlichkeit die wahre Konfliktursache ist . Die Polizeibeamtin, die nach ihrem Verhaltenskodex einer westlichen Polizei handelt, ist in den Augen des jungen Mannes vermutlich keine ehrenhafte Frau, weil sie sich entgegen seiner Auffassung von weiblicher Ehre verhält.  Sein Verhalten mag das negative, klischeehafte westliche Frauenbild widerspiegeln, das einige muslimische Männer  haben, weil die Frauen sich nicht so verhalten, wie es religiöse Regeln vorschreiben. Aber es kann auch eine andere Erklärung geben.

In muslimischen Gesellschaften müssen strenge Verhaltensvorschriften eingehalten werden.  Blick- und Körperkontakte zwischen muslimischen Männern und Frauen, die nicht zur Familie gehören, sind extrem selten. Selbst Händeschütteln kann problematisch sein. Es ist in muslimischen Kulturen immer an der Frau zu entscheiden, ob sie einem Mann die Hand gibt.  In der Fallstudie „Fahrrad“ handelt der junge Mann möglicherweise gemäß seinem Verhaltenskodex. Die Polizistin nicht anzuschauen würde in diesem Falle bedeuten, dass er sie mit Respekt behandelt.

Die muslimische Religion beruht auf fünf Säulen:  Glaubensbekenntnis, Gebet, Almosengabe, Fasten (Ramadan)   und Wallfahrt nach Mekka.

Wer die muslimische Religion praktiziert , sollte fünf Mal täglich beten. Dabei ist es dem Einzelnen überlassen, wie er die Gebetszeiten mit anderen Pflichten vereinbart. Viele Muslime legen besonderen Wert auf das Freitagsgebet, insbesondere dann, wenn sie der Pflicht zum Gebet während der Woche nicht nachkommen konnten. Möglicherweise spielt diese Erklärung in der Fallstudie ebenfalls eine Rolle (Frage 2).

Es ist zwar verständlich, dass der junge Mann unter emotionalem Druck stand,  jedoch  ist es unwahrscheinlich, dass dies der Grund dafür ist, dass er nur mit dem männlichen Beamten gesprochen hat (Frage 4).  Die bereits erläuterte Geschlechterproblematik ist wohl eher der tatsächliche Grund für sein Verhalten.

Hinweise:

  • Nehmen Sie Verhalten nicht persönlich – es kann kulturell bedingt sein.
  • Akzeptieren Sie , dass die Geschlechterfrage in anderen Kulturen anders behandelt wird
  • Akzeptieren Sie, dass Religion in anderen Kulturen eine andere Rolle spielt.
  • Vertrauen Sie Ihrer Professionalität hinsichtlich Ihrer Rolle und Ihres Status’.
  • Bewahren Sie Ruhe und behalten Sie kulturelle Unterschiede bezüglich der Geschlechterrollen im Hinterkopf.

Interkulturelle Informationen  zur Fallstudie ‘Tumult in einem Flüchtlingszentrum’

Es ist unwahrscheinlich, dass der Sozialarbeiter nicht bis zu der aufgebrachten Gruppe durchdringen konnte, weil er nicht laut genug war (Frage 1) oder weil er sich nicht ausreichend bemüht hat (Frage 2).

In der Fallstudie „Tumult in einem Flüchtlingszentrum“ spielt die Kulturdimension „Kollektivismus – Individualismus“ eventuell eine Rolle. Nordafrikanische Länder wie Marokko, Algerien und Tunesien sind stärker kollektivistisch als beispielsweise Polen, die Tschechische Republik oder Deutschland und Österreich.

In stärker kollektivistischen Kulturen kommt der Gruppe und den Interessen der Gruppe eine höhere Bedeutung zu als den Wünschen und Erwartungen des Einzelnen. Der Einzelne identifiziert sich mit der Gruppe und sich selbst über sie. Die angekündigte Abschiebung eines Flüchtlings betrifft daher die ganze Gruppe und nicht nur ein einzelnes Mitglied. Das ist wahrscheinlich der Grund dafür, warum sich in der Fallstudie „Tumult in einem Flüchtlingszentrum“ die ganze Gruppe in Aufruhr befand.

In kollektivistischen Kulturen mit stark autoritären Strukturen, wie zum Beispiel in Nordafrika, haben einige einzelne Mitglieder einen höheren Rang in der Gruppe und können als anerkannte Autorität betrachtet werden. In vielen kollektivistischen und hierarchischen Kulturen, zum Beispiel arabischen und afrikanischen, ist eine starke Stammesautorität sowohl Entscheidungsträger als auch Sprachrohr der Gruppe.  Da der Sozialarbeiter in der Fallstudie „Tumult in einem Flüchtlingszentrum“ nicht zur Gruppe gehört, mangelt es ihm vermutlich an der nötigen Autorität (Frage 3).

In der Fallstudie „Tumult in einem Flüchtlingszentrum“ wäre es wahrscheinlich einfacher gewesen, über die Person zu kommunizieren, die die höchste Autorität in der Gruppe genießt. In dem Beispiel hätte der Sozialarbeiter versuchen können herauszufinden, welche Person am meisten respektiert wird und dieser Person die Lage zu erklären. Derjenige würde wiederum den Rest der Gruppe informieren.  Es ist zu vermuten, dass der Sozialarbeiter in dieser Hinsicht nicht über entsprechende kommunikative Fertigkeiten verfügt (Frage 4).

Ein weiterer Punkt ist die Tatsache, dass in nordafrikanischen Ländern wie beispielsweise Marokko mehrdeutige Situationen  mehr Stress verursachen. Die Bekanntgabe der Abschiebung stellt an sich bereits eine höchst unklare und belastende Situation dar – umso mehr für Kulturen mit niedriger Ambiguitätstoleranz. Damit lässt sich die Unruhe in der Gruppe zum Teil erklären.  Sobald die Lage eindeutiger wird (Dank der Informationen, die die Gruppe von der Gruppenautorität bekommt) , wird sich die gesamte  Gruppe beruhigen

Hinweise:

  • Bestimmen Sie die Person mit der höchsten Autorität indem Sie beispielsweise versuchen, die älteste Person zu finden oder indem Sie beobachten, wem die Gruppe sich zuwendet.
  • Kommunizieren Sie nur mit der Person von der Sie glauben, dass sie höhere Autorität in der Gruppe genießt.
  • Beruhigen Sie die Gruppe so gut Sie können.

Interkulturelle Informationen zur Fallstudie  ‘Persönliche Beratung’ à Kulturelle Hinweise

In einigen Ländern wie beispielsweise im Nahen Osten aber auch in Osteuropa wird mehr auf der Beziehungsebene kommuniziert.  In anderen Ländern wie zum Beispiel Deutschland ist man eher sachbezogen.  In diesen Ländern geht es in der Kommunikation mehr um die anstehende Aufgabe als darum, Beziehungen aufzubauen.

Für Menschen aus Ländern, in denen es bei der Kommunikation  mehr darum geht, gute Beziehungen herzustellen ist es wichtig, zunächst eine persönliche Basis zu schaffen bevor man sich einem ernsten Thema oder dem Geschäft zuwendet. Diese Absicht hatte der junge Mann in der Fallstudie vermutlich (Frage 3). Er hat versucht, eine persönliche Beziehung zu seinem Berater herzustellen. Es ist daher eher unwahrscheinlich, dass der junge Mann den Berater nicht respektiert (Frage 2).

Ganz im Gegenteil – da die Zusammenkunft für den jungen Mann so wichtig war, hat er sich vermutlich nach Kräften darum bemüht, freundlich zu sein indem er zahlreiche Fragen zu Themen gestellt hat, die andere der Privatsphäre zuordnen würden. Ob ein Thema als privat betrachtet wird oder nicht , kann eine Frage der Kultur sein. Einige arabische und afrikanische Kulturen verfügen über komplexe und höchst förmliche Begrüßungsmuster mit ritualisierten Fragen beispielsweise zu Familie, Gesundheit und allgemeinem Wohlbefinden. Es ist anzunehmen, dass der junge Mann Kommunikationsmuster reproduziert hat, die aus seiner Sicht in dieser wichtigen Situation angemessen waren (Frage 4).

Der Berater wiederum wollte vermutlich zunächst das beenden, woran er gearbeitet hatte, bevor er dem jungen Mann seine volle Aufmerksamkeit widmete. Hätte der Berater etwas mehr Erfahrung, hätte er wahrscheinlich die Gelegenheit genutzt, um ebenfalls ein paar Fragen zu stellen und damit einerseits höflich zu sein und andererseits mehr Informationen über den jungen Mann zu erhalten.  Damit wäre Vertrauen aufgebaut und eine angenehme Atmosphäre auf beiden Seiten geschaffen worden.

Hinweise:

  • Akzeptieren Sie dass scheinbar “private” Fragen für andere Kulturen nur höflich sind.
  • Bedenken Sie, dass andere Kulturen andere Kommunikationsmuster haben, die Ihnen fremd erscheinen können.
  • Versuchen Sie zu reagieren indem Sie ebenfalls ähnliche Fragen stellen. Ihr Gesprächspartner bringt Ihnen dann vielleicht Vertrauen und Offenheit entgegen.

 

Bolten, J. (2013), “Fuzzy Cultures: Konsequenzen eines offenen und mehrwertigen Kulturbegriffs für Konzeptualisierungen interkultureller Personalentwicklungsmaßnahmen”. In: Mondial: Sietar Journal für interkulturelle Perspektiven (2013), pp. 4-10.

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Kulturdimensionen

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und reflektieren Sie, wie Sie Ihren Kollegen Ihre Entscheidungen mitteilen oder wie Sie eine Familie darüber informieren, dass sie demnächst abgeschoben wird. Erwarten Sie, dass jemand aus einer anderen Kultur, der die gleichen Aufgaben hat wie Sie, sich ebenso ausdrücken würde?

Sie haben das vermutlich verneint. Aber wie kann man vergleichen, wie Menschen aus verschiedenen Kulturen in bestimmten Situationen agieren und reagieren?

Eine Möglichkeit besteht in der Arbeit mit Kulturdimensionen. Diese beruhen auf der Annahme, dass es universelle Kategorien menschlichen Verhaltens gibt, die allen Kulturen eigen sind, deren Werte  sich aber kulturspezifisch darin unterscheiden, wie Lösungen für bestimmte Probleme gefunden werden (Layes, 2005; Thomas, 2010).

Kulturdimensionen ermöglichen die Beobachtung und Klassifizierung von Verhaltensweisen in Nationalkulturen, was dabei helfen kann, ein allgemeines Verständnis für diese zu entwickeln. Sie schaffen eine Basis, um Verhaltensweisen zu reflektieren, die uns fremd erscheinen.

Verschiedene Kulturdimensionen sind entwickelt worden, um die verschiedenen Methoden zu definieren und zu illustrieren, mit denen Angehörige einer Kultur mit den folgenden Problemstellungen umgehen, die in allen Kulturen existent sind. Die hier beschriebenen Kulturdimensionen wurden übernommen aus den Werken der renommierten Wissenschaftler Geert Hofstede, Fons Trompenaars und Edward T. Hall, die die Kulturdimensionen entwickelt haben sowie aus der Globe Studie.

 

Hinweis: Die Zuschreibung “typischer” Verhaltensweisen birgt natürlich das Risiko der Stereotypenbildung. Man muss jedoch berücksichtigen, dass Kulturdimensionen unbewusste Orientierungen darstellen, die darauf beruhen, was beobachtet werden kann und was für die meisten Mitglieder einer bestimmten Kultur normal ist. Es darf nicht vergessen werden, dass man eine andere Kultur nicht durch die eigene Kulturbrille betrachten darf sondern sich ihr annähert, indem man sie neutral beobachtet und  nicht vorschnell bewertet.

 

Machtdistanz

Sind Sie mit hierarchischen Strukturen in der Polizei oder NGOs vertraut? Sprechen Sie Ihren Chef genauso an wie Ihre Kollegen?

Diese Dimension bildet ab, inwieweit Mitglieder einer Kultur Ungleichheiten in sozialen Beziehungen akzeptieren. In Kulturen mit hoher Machtdistanz wird ein großes Machtgefälle als unproblematisch betrachtet und daher auch erwartet. Das führt zu vielschichtigen, undurchdringlichen Hierarchien.

In Kulturen mit niedriger Machtdistanz werden große Machtgefälle innerhalb sozialer Beziehungen als sehr problematisch betrachtet und daher häufig heftig bekämpft. Das führt entsprechend zu flachen, durchlässigeren Hierarchien.

 

Niedrige Machtdistanz Hohe Machtdistanz
Flache Organisationspyramiden Hohe Organisationspyramiden
Konsultativer Führungsstil Autoritärer Führungsstil
pragmatisches Verhältnis zwischen Unterstellten und Vorgesetzten polarisiertes Verhältnis zwischen Unterstellten und Vorgesetzten
  • Hierarchie entsteht, weil einfach “jemand der Chef sein muss”
  • Hierarchie widerspiegelt bestehende Ungleichheit
  • Geringe Anzahl an Vorgesetzten
  • Hohe Anzahl an Vorgesetzten

 

In einigen Bereichen wie z.B. der Polizei zeigt sich die Dimension “Machtdistanz” in der starken Differenzierung von Dienstgraden, Aufgaben und Zuständigkeiten. Man kann sie auch daran erkennen, wie Mitarbeiter öffentlicher Einrichtungen mit ihren Kunden umgehen. In Ländern mit hoher Machtdistanz können diese Mitarbeiter weniger entgegenkommend und hilfsbereit erscheinen als in Ländern mit niedriger Machtdistanz.

Grundsätzlich erkennt man die Dimension daran, welche Erwartungen der Unterstellte an den Chef hat und wie der Chef Informationen übermittelt. In einigen Ländern wie z.B. im Nahen Osten, aber auch im Mittelmeerraum (z. B. in Frankreich und Italien) erwarten Unterstellte von ihrem Vorgesetzten autoritäres Verhalten.

 

Individualismus/Kollektivismus

Wie loyal sind Sie gegenüber Ihrer Familie, Ihren Freunden oder Ihrer Institution?

 

Diese Dimension zeigt, “…in welchem Ausmaß sich die Mitglieder einer Kultur als Teil eines sozialen Beziehungsgefüges definieren und sich diesem gegenüber verpflichtet fühlen.” (Thomas, 2007, S. 62) Mitglieder kollektivistischer Kulturen betrachten sich als Teil einer Gruppe und versuchen, ihre Ziele denen der Gruppe anzupassen. Mitglieder individualistischer Kulturen verstehen sich primär als autonome Individuen und versuchen, ihre persönlichen Ziele unabhängig von denen der Gruppe zu erreichen.

 

Kollektivismus Individualismus
Menschen handeln im Interesse der Gruppe, der sie angehören Menschen handeln in ihrem eigenen Interesse
Bezugspunkt ist die Gruppe / Familie Bezugspunkt ist das Individuum selbst
  • enge soziale Beziehungen
  • lockere soziale Beziehungen
  • Verantwortung für Aufgaben bei der Gruppe
  • Verantwortung für Aufgaben beim Einzelnen

 

Die Dimension ‘Individualismus/Kollektivismus’ erkennt man in einigen eher kollektivistischen Kulturen wie einigen asiatischen, afrikanischen, osteuropäischen und nahöstlichen daran, wie eng die Familienbeziehungen sind und welche Rolle Loyalität und Zusammenhalt innerhalb der Familie bzw. Gruppe spielen.

Mitunter entscheidet die gesamte Familie über das Wohl der einzelnen Mitglieder. Dabei kann es passieren, dass die Entscheidungen der Familie die Wünsche des Einzelnen nicht berücksichtigen. Im Interesse des Gemeinwohls der gesamten Familie können diese ignoriert werden. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Familie entscheidet, dass eines ihrer Mitglieder nach Europa auswandern soll, um dort sein Glück zu machen. Oft schickt die Person, die emigriert ist, regelmäßig Geld zum Unterhalt der Familie.  In diesen Fällen hat die Entscheidung der Familie Vorrang vor dem Willen des Einzelnen.

 

Unsicherheitsvermeidung

Wie wohl fühlen Sie sich, wenn Ihnen die Arbeitsabläufe in ihrem Polizeirevier oder Ihrer Institution nicht klar sind?

 

Diese Dimension zeigt, in welchem Ausmaß unklare und mehrdeutige Situationen Unsicherheit und Besorgnis in einer Kultur erzeugen. Für Mitglieder von Kulturen mit starker Unsicherheitsvermeidung sind Regeln sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich sehr verbindlich. Unklare, nicht geregelte Situationen rufen ein Gefühl von Desorientierung hervor, dass bis zu Aggressivität führen kann. Dementsprechend bilden sich sehr komplexe und rigide gesellschaftliche Regelsysteme aus.

Für Mitglieder von Kulturen mit schwacher Unsicherheitsvermeidung sind Regeln im privaten und öffentlichen Bereich weniger verbindlich. Auf Chaos und unklare Situationen reagieren sie relativ gelassen. Entsprechend bilden sich flexible Regelsysteme.

 

Schwache Unsicherheitsvermeidung Starke Unsicherheitsvermeidung
Normen und Regeln sind weniger wichtig bei der Vermeidung unerwarteter Ergebnisse Normen und Regeln strukturieren das Handeln, um unerwartete Ergebnisse zu vermeiden.
Genauigkeit und Pünktlichkeit müssen erlernt und trainiert werden Genauigkeit und Pünktlichkeit liegen einem im Blut
  • Dokumentation muss erlernt und trainiert werden
  • Dokumentation liegt einem im Blut
  • Die Macht des Vorgesetzten hängt von seiner Position ab
  • Die Macht des Vorgesetzen hängt davon ab, wie er mit Unsicherheit und Beziehungen umgeht

 

In Ländern mit niedriger Toleranz für unklare oder mehrdeutige Situationen zeigt sich diese Dimension daran, dass es klar definierte Strukturen und Regelwerke gibt, um unerwartete und daher belastende Ereignisse zu vermeiden. Wie zum Beispiel die Zuweisung von Wohnraum oder Sprachkursen für Migranten erfolgt, ist mehr oder weniger vorgeschrieben und strukturiert.

Konflikte können dann entstehen, wenn unterschiedliche Erwartungen an die Situation kollidieren. In einer multikulturellen Umgebung können klare und einfache Anweisungen an Kollegen und Subunternehmer sowie Regeln und Vorschriften, die neu angekommenen Migranten entweder in Papierform oder als sichtbare Zeichen oder Beschilderung übermittelt werden, denjenigen mit niedriger Toleranz für unstrukturierte und chaotische Situationen behilflich sein. Es ist auch vorstellbar, dass sich Mitarbeiter in Unterkünften mit niedriger Ambiguitätstoleranz während des Kontakts mit Migranten auf schriftliche Dokumente oder digital gespeicherte Details stützen können und dadurch nur wenig Zeit für die persönliche und direkte Kommunikation mit dem Hilfebedürftigen aufwenden müssen. In diesem Falle, wenn der Hilfebedürftige zum Beispiel Augenkontakt oder Gesten vermisst, könnte er sich missachtet fühlen oder nicht ernst genommen und dadurch das Vertrauen verlieren und weniger kooperieren.

 

Geschlechtergleichheit (Globe)

Wieviele weibliche Vorgesetzte haben Sie in Ihrer Institution?

Kulturen gehen mit Geschlechtern und Ungleichheiten unterschiedlich um: sie minimieren sie in unterschiedlichem Ausmaß.

 

Hohe Geschlechtergleichheit Niedrige Geschlechtergleichheit
Keine sichtbare traditionelle Rollenverteilung Sichtbare traditionelle Rollenverteilung
Gleiche Bildung Frauen weniger gebildet
  • Frauen in Führungspositionen
  • Weniger Frauen in Führungspositionen
  • Gleiche Karrierechancen für Männer und Frauen
  • Karriere für Männer Pflicht, für Frauen wahlweise

 

In einigen westlichen Kulturen mit niedriger Geschlechtergleichheit wie Deutschland, Österreich und einigen Mittelmeerländern (z.B. Italien, Spanien) aber auch in einigen Ländern des Nahen Ostens (z.B. Türkei, Ägypten, Iran) haben Männer dominante Rollen in der Gesellschaft inne.

Im Kontext von Vocal in Need zeigt sich diese Dimension in einer erkennbaren Rollenteilung: Männer sind “natürlich” Polizeichefs, NGO Geschäftsführer etc. – Frauen dagegen sind „natürlich“ Sekretärinnen, Assistentinnen etc.

Männer aus Ländern mit niedriger Geschlechtergleichheit nehmen nicht unbedingt gerne Anweisungen von höhergestellten Frauen an. Da sie nicht tolerieren, was in ihren Augen die Umkehr natürlich zugeschriebener Rollen darstellt, erscheint ihr Verhalten Frauen gegenüber womöglich arrogant und überheblich.

 

Beziehungen und Regeln: Universalismus/Partikularismus (Fons Trompenaars)

Stellen Sie sich vor, Sie treffen als Polizeibeamter oder Mitarbeiter einer NGO auf eine Person, die Ihre Hilfe benötigt. Würden Sie dieser Person auch dann helfen, wenn Sie gegen eine Regel verstoßen müssten?

Diese Dimension bildet ab, “…in welchem Ausmaß in einer Kultur davon ausgegangen wird, dass es möglich ist, allgemein gültige Regeln für das menschliche Zusammenleben festzulegen und ihre Einhaltung unter allen Umständen einzufordern und durchzusetzen.” (Thomas 20017, S. 64) Während universalistische Kulturen davon überzeugt sind, dass das möglich ist, sind partikularistische Kulturen eher auf besondere Umstände fokussiert und lehnen die strikte Einhaltung von Regeln ab.

 

Universalismus Partikularismus
Regeln und Normen sind kontextunabhängig. Fokus auf jeweiligen Umständen, Ausnahmen möglich
Vereinbarungen von großer Bedeutung Beziehungen von größerer Bedeutung

 

Im Kontext von Vocal in Need zeigt sich die Dimension “Universalismus – Partikularismus” zum Beispiel im Verhältnis von Polizei / NGO Mitarbeitern und Migranten.

In universalistischen Kulturen sind alle Migranten gleich und werden gemäß ihrem Status als Migranten behandelt. In partikularistischen Kulturen, wie in einigen muslimischen, arabischen und Kulturen des Mittelmeerraums kann es vorkommen, dass Menschen aus diesen Ländern aufgrund ihres guten Verhältnisses zum Personal eine bevorzugte Behandlung erwarten: der Polizeichef kann ein guter Freund sein oder persönliche Motive haben. In diesen Fällen werden Regeln auf der Grundlage persönlicher Gegebenheiten immer wieder neu ausgehandelt.

Das partikularistische System mag Mitgliedern universalistischer Kulturen unverständlich und unfair erscheinen, insbesondere dann, wenn sie keine Möglichkeit haben, ebenfalls eine bevorzugte Behandlung zu erfahren. Das partikularistische System kann Unsicherheit, Hilflosigkeit und Entrüstung hervorrufen. Mitglieder partikularistischer Kulturen können auf das universalistische Festhalten an Regeln mit Unverständnis und Verärgerung reagieren. Es kann sogar Aggression und Feindseligkeit erzeugen.

 

High/low Context (Hall)

Wie genau informieren Sie Asylbewerber darüber, dass ihr Asylantrag keine Aussicht auf Bewilligung hat? Wie direkt würden Sie einem Kollegen sagen, dass ihm / ihr ein Fehler unterlaufen ist?

 

In low Context Kulturen sagt man was man meint. Der Fokus der Mitteilung liegt auf deren wörtlichen Bedeutung.

High Context Kulturen kommunizieren indirekt. Es muss zwischen den Zeilen gelesen werden und um Botschaften korrekt dekodieren zu können, muss die nonverbale Kommunikation beachtet werden.

 

High Context Kulturen Low Context Kulturen
Verdeckte, indirekte Botschaften – viele Kontextelemente helfen beim Verständnis Offene, direkte Botschaften – wenig Information muss dem Kontext entnommen werden
hoher Anteil nonverbaler Kommunikation nonverbale Kommunikation von unter-geordneter Bedeutung – Fokus liegt auf verbaler Kommunikation
  • Keine offenen Gefühlsäußerungen
  • Körpersprache weniger bedeutsam
  • Starke Familienorientierung
  • Flexible und offene Gruppenmuster

 

Diese Dimension lässt sich zum Beispiel daran erkennen, wie Migranten ihre Probleme darlegen oder mit anderen über ihre Erfahrungen sprechen.

Migranten aus high Context Kulturen erscheinen aus Sicht einer low Context Kultur möglicherweise reserviert und emotional distanziert. Mitglieder von high Context Kulturen sind es gewohnt, Gefühle und Emotionen wie Unsicherheit und Angst mitzuteilen, ohne direkt auf die aktuelle Situation Bezug zu nehmen. Dieser Kommunikationsstil erscheint aus der Sicht von low Context Kulturen möglicherweise langatmig und kompliziert.

Low context Kulturen übermitteln Informationen, beispielsweise über den Stand eines Asylantrags, direkt, ohne sie hinter Metaphern oder anderen rhetorischen Mitteln zu “verbergen”. In den Augen der Kulturen, die das nicht gewohnt sind, erscheint der direkte Kommunikationsstil möglicherweise unfreundlich, beleidigend oder sogar schockierend.

 

Das Konzept “Gesicht”

Das Konzept “Gesicht” wird nicht als Kulturdimension definiert, jedoch handelt es sich um ein Verhaltensmuster, das in vielen Kulturen verbreitet ist. Es scheint ein universelles Muster zu sein, das im Laufe der Zeit in den Kulturen unterschiedlich ausgeprägt wurde.

‘Gesicht’ wird meistens assoziiert mit den asiatischen Kulturen, insbesondere der chinesischen. Es ist jedoch auch in westlichen Gesellschaften geläufig – in kulturell angepasster Form – , wo es sich zeigt in den Auffassungen von Ehre, Prestige, gutem/schlechtem Erscheinungsbild und mit dem Konzept von Scham und Angst verbunden ist.

In asiatischen Kulturen, wie auch in westlichen, beinhaltet “Gesicht” das Selbst und wie sowohl Selbst als auch andere von bestimmtem Verhalten profitieren können. Der Verstoß gegen soziale Normen kann zum Gesichtsverlust führen.

Insbesondere in asiatischen Kulturen handeln die Menschen möglichst so, dass sie einen Gesichtsverlust vermeiden (sowohl bei sich als auch beim Gegenüber) und nach Gesicht streben (sowohl nach eigenem als auch dem des Partners), was sich letzten Endes wiederum positiv auf das eigene Image auswirkt.

 

Es kann vorkommen, dass Migranten in bestimmten Situationen stolz oder zu selbstsicher erscheinen. Das sind Situationen, bei denen Angst oder Scham im Spiel sind – wenn sie beispielsweise nicht verstanden haben, was der Verantwortliche in der Unterkunft gesagt hat oder wenn sie anderer Meinung sind als ein Mitarbeiter der Einrichtung. Zuzugeben, dass sie etwas nicht verstanden haben oder anderer Meinung sind, würde nicht nur dazu führen, dass sie selbst das Gesicht verlieren, sondern auch die Person, mit der sie sprechen. Es ist daher mitunter schwierig, konkrete Aussagen zu erhalten.

Für den Verantwortlichen in der Unterkunft oder die Polizeibeamten kann es besser sein, sich vorzustellen, wie sich die Migranten fühlen und das auch zu kommunizieren. Das erleichtert es den Migranten vielleicht, ihre Gefühle oder Gedanken ausdrücken zu können.